Berufsunfähigkeitsversicherung nur für Reiche?

In Deutschland wird laut Statistiken jeder vierte Arbeitnehmer erwerbsunfähig. Durchschnittlich 43 Jahre alt sind die Betroffenen meist. Bei dieser alarmierenden Statistik denkt so manch einer über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nach. Präventivmaßnahmen sind heutzutage besonders wichtig, denn man kann nie wissen was die Zukunft bringt. Viele Betroffene erleiden Arbeitsunfälle oder erkranken chronisch, sodass Arbeit unmöglich wird. Bevor so etwas eintritt, will man natürlich gut abgesichert sein, denn die gesetzliche Erwerbsminderungsrente fällt enttäuschend niedrig aus. Private Vorsorge gewinnt dadurch an großer Bedeutung. Dennoch kann sich nicht jeder eine teure BU leisten. Viele Bürger müssen schon in ihrem Alltag jeden Cent zweimal umdrehen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung fällt dann unter die Kategorie „kann ich mir nicht leisten“. Rund Dreiviertel der Erwerbstätigen in Deutschland hat keine BU. Hier besteht für die Versicherungsbranche dringender Handlungsbedarf – jeder sollte sich solch eine wichtige Versicherung leisten können. Der Versicherungsbeitrag wird durch das Eintrittsalter, die Berufsgruppe und die vorherige Krankheitsgeschichte beeinflusst. So fallen kaufmännische und akademische Berufsgruppen in günstigere Kategorien als beispielsweise handwerkliche, da die Gefahr dort geringer ist. Doch gerade für handwerkliche Erwerbstätige ist eine BU besonders wichtig. Sind diese körperlich nicht mehr in der Lage zu arbeiten, greift die Versicherung. Meist sind die Betroffenen dann nicht einmal mehr fähig einen Job auf 400 Euro-Basis im Büro auszuüben.
Der seit Jahren tobende Preiswettkampf zwischen den verschiedenen Versicherungsanbietern macht die Sache noch dramatischer: In den vergangenen Jahren sind die Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung enorm in die Höhe geschnellt. Die monatlichen Beiträge liegen mittlerweile nicht selten bei rund 300 Euro. Für einen Maurer beispielsweise unbezahlbar. Hinzu kommt die Aufsplittung in immer mehr neue Berufsgruppen, was für den Verbraucher leider fast nur Nachteile hat. Während man früher nur zwischen kaufmännisch und handwerklich unterschied, gibt es heute mehr als 24 verschiedene Einstufungen. Sie reichen von Fragen zur familiären Situation bis hin zur Reisetätigkeit. Der Haken hierbei: Die Fragen beziehen sich somit nur auf die Gegenwart und sehen keine Veränderungen in der Zukunft vor. Somit ist dies ungeeignet für eine langfristige Einstufung.
Eine Alternative zur BU ist die EU (Erwerbsunfähigkeitsversicherung). Diese ist günstiger und schließt ebenfalls keine Krankheitsbilder aus. Psychische Beeinträchtigungen wie z.B. ein Burn-Out-Syndrom sind inbegriffen. Allerdings greift die EU erst bei kompletter Unfähigkeit einen Beruf auszuüben: Wer nicht mehr fähig ist eine Tätigkeit von täglich 3 Stunden auszuüben, der kann Gebrauch von seiner Erwerbsunfähigkeitsversicherung machen. Auch sogenannte Multi-Risk-Tarife können in Erwägung gezogen werden. Sie sind quasi die Erweiterung von einer Grundfähigkeitsversicherung, die Risiken für Hören, Sprechen oder Sehen abdeckt. Multi-Risk-Tarife funktionieren wie eine Lebens- oder Unfallversicherung. Wem also die normale BU zu teuer ist, kann sich dennoch anderweitig absichern.