Hass-Liebe sorgt für Unruhe: Der Euro spaltet Eurozone

In Deutschlands Hauptstadt Berlin fand diese Woche erneut das Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung statt. Diesmal war es eher ein unbehagliches Aufeinandertreffen der Länder aus der Eurozone: Der Austritt einiger Länder aus der Eurozone stand im Vordergrund des Treffens.

Den anwesenden Industrievertreter gefiel die Vorstellung eines Austritts überhaupt nicht. Die betroffenen Länder hingegen sehen keine andere Möglichkeit mehr und wollen mit dem Austritt ihre Finanzpolitik gerade rücken. Der Präsident des Münchener ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, sprach von einer „Menge Hass und Zwietracht“, die der Euro den Betroffenen beschert habe. Durch die 2002 eingeführte Währung verloren viele Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit. Besonders getroffen habe es Spanien, Griechenland und Italien, deren Industrieproduktion mehr oder minder zugrunde geht. Hinzu kommt die Jugendarbeitslosigkeit, die in Griechenland und Spanien bei rund 60 Prozent liegt.

Laut Hans-Werner Sinn könne nur eine Kombination aus Deflation im Süden Europas und etwas Inflation in Deutschland Abhilfe schaffen. Somit könnte die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Länder wieder gestärkt werden. Dies ist allerdings äußerst heikel. Da dies offensichtlich die einzige Möglichkeit ist, das Gleichgewicht wieder herzustellen, wird es Austritte geben, meint Sinn.

Der womöglich bevorstehende Austritt einiger Länder führt auch zwischen den Experten zu Zwist: Es gibt Befürworter und Gegner. Viele erachten den Austritt als nötig und durchführbar, gar schon als unausweichlich. Gegner sehen hingegen sehr wohl eine Chance dafür, dass sich die Länder mit Hilfestellung regenerieren können. Sie spekulieren auf den Machtwechsel nach den nächsten Wahlen, die möglicherweise eine Veränderung bewirken könnten.